Diese Frage, wir kennen sie wohl alle. Auf jeden Fall, die Veganer unter uns. Das Vorurteil, eine pflanzliche Ernährungsweise wäre zugleich auch mit einem Mangel an essentiellen Nährstoffen verbunden, läuft nach wie vor hoch im Kurs. Es fängt an bei: „Aber da chasch ja gar nüt meeh ässe?!“, über: „Und woher bechunsch du dänn dis Eiwiis?“, bis zu: „Du häsch uf jedä Fall en Vitamin B12-Mangel!“. Ja, wir kennen sie nur zu gut, diese Vorurteile.

Aber wie gesagt: VORURTEILE.

Dieser Text soll hier nun keine Aufklärungsrunde werden, und ich möchte auch gar nicht allzu ausführlich darauf eingehen, weshalb jene Fragen und Vorwürfe gegenüber dem Veganismus, absolut ungerechtfertigt sind. Aber trotzdem muss ich an diesem Punkt nochmals klarstellen: Nein, wir haben keine Mangelerscheinungen. Im Gegenteil. Ernährt man sich ausgewogen, naturbelassen und abwechslungsreich, ist es absolut kein Problem seinen Bedarf an essentiellen Nährstoffen zu decken. Und ja, wir haben (mehr als) genug Eiweiss, Calcium und auch Eisen. Zugegeben, mit dem Vitamin-B12 wird es dann doch etwas kritisch. Aber habt ihr gewusst, dass in der Fleischindustrie, Kühen künstlich Vitamin B12 verabreicht wird? Soviel zum Thema "natürliche Quelle".
Und trotzdem haben auch die aller meisten Omnis* einen Vitamin B12 sowie D3 Mangel. Daher ist in diesem Zusammenhang ohnehin eine Substitution durch Nahrungsergänzungsmittel empfehlenswert.
Nun, soviel dazu.
Wie gesagt, ich möchte hier weder eine Debatte darüber starten, was gesünder ist, noch sämtlichen Irrglauben bezüglich des Veganismus aus dem Weg räumen. Das eigentliche Bestreben, welches hinter diesem Text steht, entspringt einem völlig anderem Gedanken. Weitaus spannender als sich gegenseitig die Köpfe beim Kampf um den gesündesten Lebensstil einzuschlagen, scheint mir nämlich die Frage, weshalb diese ewige Diskussion überhaupt?
Warum sind wir dermassen besessen von diesem wässrigen, illusorischen, fiktiven Begriff?


Gesundheit.

Worüber definieren wir ihn eigentlich, oder anders gefragt, kann man das überhaupt?
Im Laufe der Zeit, haben sich die gesellschaftlichen Vorstellungen darüber, was ein gesundes Leben ausmacht, drastisch geändert. Gesund ist, wer nicht krank ist. Diese simple Genugtuung wurde wohl spätestens mit der Nachkriegsgeneration aus den Köpfen der Bevölkerung verbannt. Lange geht es nicht mehr bloss darum, einen intakten Organismus aufrecht zu erhalten, vielmehr ist daraus, je länger je mehr, ein wahrhaftiges Kunstprojekt entstanden. Weshalb dieser Wertewandel? Ganz einfach; Weil wir es können.

Stichwort: Globalisierung.

Handel, Forschung, Medien.

Der gleichzeitige Boom verschiedenster Faktoren kollidierte in einer Explosion technischem sowie wissenschaftlichem Fortschritts, einem Übermass an Ressourcen, sowie einer sich neu orientierenden Gesellschaft. Das Ganze noch geschürt, vom ewig währendem Wettlauf der internationalen Grosskonzerne, nach Macht und Geld.
Gesundheit wird zum Marktplatz, zu dem Marktplatz schlechthin.
Dabei treten sich Angebot und Nachfrage schon beinahe gegenseitig auf die Füsse.
Man will von allem das Beste und vorzugsweise so viel wie möglich davon.
Fanatisch stürzen wir uns auf alles was uns unter die Nase gehalten wird, uns vorgekaut und gross angepriesen wird.
Im Grunde, ein völlig einleuchtendes Phänomen. Gab es etwas, das uns Menschen bereits seit Anbeginn der Zeit, fasziniert, nein, aus natürlichen Trieben heraus, besessen hat, dann ist es der Versuch, dem Tod zu entrinnen.
Das drohende Ende möglichst lange hinauszögern, unsere verbleibende Zeit bis zum letzten Tropfen Leben, ausschöpfen, ganz der Illusion verfallen, wir hätten die Kontrolle.
Aber haben wir diese tatsächlich noch?
Sind wir nicht eher Sklaven irgendwelcher Zahlen und Werte, gesellschaftlicher Paradigmas oder gar willkürlicher Hypes wie High- vs. Low-Carb, Detox-Kuren, Porteinpulver mit Keks-Geschmack, Superfoods, den abgefahrensten Yoga-Variationen oder Mental-Health-Workshops?
Wie klar sehen wir noch durch die milchige Scheibe der Informationen, welche uns die Lebensmittel- wie auch Gesundheitsindustrie vor Augen hält?
Es ist schwer, sich auf ein Körpergefühl verlassen zu können, welches ohne anleitende Tools nicht mehr klarkommt.
Benebelt und abgestumpft durch unseren täglichen Überkonsum, Lebensmittel, vollgepumpt mit chemischen Zusätzen, industriellen Zucker und Geschmacksverstärkern, Fitnesstrackern am Handgelenk sowie den Body-Coach als App auf dem Smartphone.
Aus widernatürlichen Ressourcen kann genauso wenig ein natürlicher Sinn für unsere Bedürfnisse entstehen. Und ebenso wenig kann es dies aus festgemeisselten, starren Vorgaben, wie und was getan und gelassen werden soll, wie, wann, wie oft du essen, trinken, schlafen, trainieren, arbeiten, gehen, sitzen, atmen und denken sollst.

Ob nun Omni, Vegetarier, Veganer oder was auch immer, wir sind alle, mehr oder minder gleichermassen betroffen.

Denk dran: Dein Körper, Deine Gesundheit, dein Verstand und deine Entscheidung.Hör besser darauf, bevor es womöglich bereits zu spät ist.

 

*Omnis, die Abkürzung für Omnivore, Allesfresser (aus dem Lateinischem omnis-alles und vorare-fressen)

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Dieser Blog-Gastbeitrag wurde von Livia Huber verfasst. Livia ist passionierte Triathletin und studiert Soziologie und Politologie. 

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