Die Inhaberin und Geschäftsführerin von Eva's Apples, Eva Kelemen


Was ist „Eva’s Apples“ genau?

Eva’s Apples ist der erste rein vegane Verkaufsladen in Zürich. Im Sommer 2015 haben wir ein Zweitgeschäft in Bern eröffnet, ebenfalls das erste rein vegane Spezialitätengeschäft in Bern. Unser Sortiment umfasst Lebensmittel, Kosmetik, Reinigungsmittel, Bücher, Schuhe und Accessoires – alles rein pflanzlich. Wir führen ausserdem einen umfangreichen Online-Shop.

Wie tragen sie ihrer Meinung nach zum sozialen oder ökologischen Fussabdruck bei?
Wenn immer möglich, bevorzugen wir biologische und fair-gehandelte Produkte von kleinen Produzenten und helfen ausserdem vielen StartUps bekannt zu werden, indem wir bei uns Degustationen und Informations-Events durchführen. Ausserdem ist es für uns klar, dass wir abgelaufene Lebensmittel nicht wegschmeissen. Was unsere Mitarbeitenden nicht mitnehmen möchten, verschenken wir an gemeinnützige Organisationen.

Würden sie ihren Produktionsweg als nachhaltig bezeichnen? Warum?
Bei einem Sortiment von über 2000 Produkten ist es nicht möglich eine generelle Aussage zu treffen. Wir bemühen uns aber um gute Kontakte zu den Lieferanten und Produzenten und legen Wert auf Transparenz. Letztendlich hat es aber sehr viel mit Vertrauen zu tun, da wir nicht in der Lage sind jedes einzelne Produkt und den gesamten Produktionsweg auf Nachhaltigkeit zu prüfen.

Denken sie, dass Bio und Fairtrade mittlerweile ein Trend geworden sind? Wenn ja, woher denken sie kommt das?
Die Bio-Bewegung ist inzwischen 20 Jahre alt, ich denke daher nicht dass man noch von einem Trend sprechen kann. Meiner Meinung nach findet eine allgemeine Bewusstwerdung satt. Die Leute informieren sich gründlich und sind bereit für Bio und Fair mehr zu bezahlen. Sie wissen, dass ihr eigenes Konsumverhalten die Welt verändern kann. Dies ist eine Tatsache, trotzdem ist es wichtig auch mittels Gesetzten Bedingungen zu schaffen, welche Ungerechtigkeit und Schädigung der Natur gar nicht erst zulassen.

Denken sie, dass die Menschen sich Fairtrade nur kaufen, um ihr Gewissen zu beruhigen, oder gibt es auch andere Beweggründe?
Das Gewissen spielt sicher eine Rolle, aber warum auch nicht? Wir wissen offenbar was gutes und gerechtes Konsumverhalten ist und versuchen auch so einzukaufen. Schade ist, dass man sich auf die gängigen Labels nicht wirklich verlassen kann. Die wenigsten Menschen wissen zB dass Max Havelar-Produkte inzwischen nur noch zu 20% aus fair-gehandelten Zutaten bestehen müssen.

Wie kamen sie auf die Idee für ihr Projekt/ ihre Firma?
Ich habe mich sehr intensiv mit den ökologischen und sozialen Gründen, die unser Kaufverhalten hat, auseinander gesetzt und bin zur Überzeugung gekommen, dass eine vegane Lebensweise ohne Zweifel die mit dem kleinsten ökologisches Fussabdruck ist. Regenwälder werden für den Anbau von Soja und Mais gerodet, welches dann an Nutztiere verfüttert wird und auf der anderen Seite fehlen vielen Menschen Grundnahrungsmittel. Wir sind mit unserem Konsum tierlicher Produkte dafür verantwortlich, dass Millionen Menschen verhungern, die Klimakatastrophe voranschreitet, Tiere versklavt und ausgebeutet werden und unser Wasser vergiftet wird. Dabei wäre es so einfach etwas dagegen zu tun. Deswegen habe ich den ersten veganen Laden eröffnet – um den Menschen zu zeigen wie einfach und lustvoll eine vegane Ernährung sein kann.

Aus welchem Grund und in wie fern setzen sie sich mit ihrem Projekt/ ihrer Firma für faire Bedingungen oder Nachhaltigkeit ein?
Indem wir bei Eva’s Apples fair gehandelte und biologische Produkte bevorzugen, unterstützen wir diese Anbauweise bzw. den fairen Handel. Das hat neben all den sozialpolitischen und ökologischen, auch sehr persönliche Gründe: ich könnte nicht dahinterstehen mit Produkten Geld zu verdienen die auf ausbeuterische Weise produziert wurden.

Wann wurden sie zum ersten Mal mit der „ unfairen Produktion“ konfrontiert und wie haben sie darauf reagiert?
Bisher hatten wir das Glück, dass noch nie ein Produkt aus unserem Sortiment in die Kritik geraten wäre.

Was denken sie, könnte jeder selbst als Individuum tun, um Nachhaltigkeit und faire Produktion zu unterstützen?
Es ist äusserst wichtig sich wirklich gut zu informieren und sich nicht einfach auf Labels zu verlassen. Eigentlich sollte man sich damit auseinandersetzten was welches Label genau bedeutet. Wenn man sich diese Arbeit sparen möchte, kann man auch im Bio- bzw. Fairtrade-Laden seines Vertrauens einkaufen, wobei kritische Fragen immer wichtig und gut sind. Ausserdem finde ich ein politisches Engagement in diesem Bereich ausgesprochen wichtig. Wenn man sich selber nicht engagieren mag, kann man zB eine Organisation regelmässig finanziell unterstützen, welche diese Arbeit übernimmt. ZB finde ich, leistet die Erklärung von Bern wichtige und sinnvolle Arbeit in diesem Bereich.