Jeder braucht es, jeder sucht es, jeder will es. Der eine mehr, der andere weniger. Nur selten bewusst und zu oft komplett intuitiv. Zugehörigkeit. Politische Parteien, soziale Klassen, Sportvereine, Lesegruppen, Organisationen, Religionen, Staatsangehörigkeit, Freundschaften, Familie... Die Zugehörigkeit als Gefühl, als Teil einer jeden Persönlichkeit, findet sich in den unterschiedlichsten Formen und Grössen. Unsere Gesellschaft basiert auf ihr, unser soziales System baut auf ihr auf. In einer Welt, wo Individualität Mangelware ist, in der man von der Masse überrollt, von allen übersehen wird, will man sich einen Platz sichern, ein Ansehen, eine Identität. Immer grösser wird der Durst danach, sich einen Namen geben zu können, einem ganz spezifischen Kreis angehören zu können, oder besser mehreren gleichzeitig. Die Auswahl ist endlos und doch scheint der Platz begrenzt. Man verliert die Übersicht, Unsicherheit kommt auf und mit ihr der Wunsch nach Strukturen, klar gezogenen Grenzen. Und ehe man sich versieht, wird aus einem friedlichem Gemeinschaftsgeist eine beinahe sektiererische Doktrin.

 

"Ich bin Veganer."


"Und du nicht."


Eine der friedlichsten, ethisch-moralisch, wie auch ökologisch umfassendsten Ideologien stellt für mich der Veganismus dar. Jedes Lebewesen wird respektiert und geachtet, gleichzeitig wird auch der Umwelt und Natur grosse Wertschätzung entgegengebracht. Die Menschheit soll nicht Herrscher aller Lebensformen sein, sondern vielmehr Teil eines harmonischen Kreislaufs.
So wenigstens die Theorie.
Doch leider auch im Veganismus, wie in allen anderen Weltanschauungen auch, lässt sich häufig beobachten, wie aus Überzeugung ein regelrechter Kriegsakt wird.

 

"Fleischfresser. Tiermörder. Umweltsünder."


Hat man seine Gruppe gefunden, den Wunsch nach Zugehörigkeit erfüllt, sucht man seinen Gegner, baut sich gemeinsam gegen seinen vermeintlichen Feind auf und versucht seine Ideologie mit allen Mitteln zu verteidigen. Schliesslich ist dies nun ein essentieller Bestandteil unserer Identität, welche es zu schützen gilt.

Zu gross ist die Angst vor Verlust, davor, dieses kostbare Gefühl verlieren zu können. Und so geht leider auch viel zu schnell der eigentliche Grund unserer Hingabe verloren. Unsere tiefsten, elementarsten Wertvorstellungen welche uns ursprünglich zu jener Ideologie leiteten, sind plötzlich sekundär im bitteren Kampf einen Platz in der Gesellschaft. Und ehe wir uns versehen, sabotieren wir unsere eigene Überzeugung, unser eigentliches Ziel; eine bessere Welt. Eine Welt mit mehr Sinn für Gerechtigkeit, mehr Achtung, mehr Verständnis und mehr Wertschätzung.
Die Illusion von Stärke und Macht, von Zusammenhalt und Gruppendynamik blendet uns und so bauen wir bloss eine immer grössere, massivere Mauer zwischen uns und „dem Rest“ der Welt, unseren Gegnern, unserer Bedrohung.

 

Ein wenig Veganismus hat noch nie jemandem geschadet.

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Gegenseitige Ablehnung, Vorurteile, Hass und Unverständnis sind die Folge. Veganer und nicht Veganer. Man sieht plötzlich bloss noch schwarz und weiss. Doch wohin führt eine solche Separation?
Ist es tatsächlich unser Ziel Gegner zu schaffen, Leute in die Defensive zu treiben und ihnen somit unsere eigentliche Intension - den Schritt in den Veganismus, zu verwehren, sie vor ein künstlich erbautes Hindernis zu stellen, sich dieser wunderschönen Lebensweise zu öffnen?
Im Grunde wünschen wir uns doch nichts weiter, als eine Neugier zu wecken, die Gesellschaft für den Veganismus zu sensibilisieren, den Leuten einen Einblick zu ermöglichen, in die moralisch-ethisch sowie ökologisch unfassbar bedeutungsvollen Vorteile, welche der Verzicht auf tierische Produkte mit sich bringen kann. Für sich selbst, unsere Bevölkerung und unser gesamtes Ökosystem. Ihnen, ohne Druck und belehrenden Unterton, ohne Hass und Vorurteil, zu zeigen, wie vielfältig und gleichzeitig wunderbar simpel ein veganes Leben sein kann. Ohne Verzicht auf Genuss und ohne Verluste, dafür mit mehr Kreativität, mehr Neugierde, mehr Lebenslust und einem vielfach besseren Gewissen. Und dabei zählt jeder Griff nach dem Tofu-Schnitzel anstelle des Steaks, jeder Kunst- statt echt-Pelz, jeder Latte mit Soja- anstatt Kuhmilch. Jeder einzelne Schritt zählt, wie klein und unbedeutend er auch zu scheinen mag. Denn schlussendlich summieren sich viele kleine Taten allmählich zu einem ganz grossen Ergebnis.

 

In dem Sinne:

 

„Darkness cannot drive out darkness; only light can do that. Hate cannot drive out hate; only love can do that.“ -Martin Luther King, Jr.


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Dieser Blog-Gastbeitrag wurde von Livia Huber verfasst. Livia ist passionierte Triathletin und studiert Soziologie und Politologie. 

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