Das Urteil ist gefallen. Der Europäische Gerichtshof hat entschieden. Game Over.

 

Von nun an ist es offiziell verboten, dieselben Namen für pflanzliche Milch-Alternativen zu verwenden, wie sie bereits in tierischer Form angeboten werden. Vegane- wie auch Veggie-Produkte als Milch, Joghurt, Käse, Sahne, oder was auch immer zu bezeichnen gilt ab sofort als Straftat.

 

R.I.P. Sojamilch.

 

Bitte was?

Habe ich da tatsächlich richtig gelesen? Mir fiel beinahe die Brille von der Nase als ich kürzlich die News überflogen habe.

Zuerst dachte ich ja es handle sich um einen schlechten Witz. Ein kurzer Blick aufs Datum. Ok, für einen Aprilscherz ist es definitiv zu spät. Habe ich irgendwas verpasst? Ist dies Satire?

 

Nein leider nicht.

Diese groteske Auseinandersetzung rund um die Bezeichnung veganer Alternativen zum tierischen Pendant läuft bereits eine ganze Weile und hat nun ihren Gipfel erreicht, wie es scheint.

Angezettelt wurde die Diskussion einst vom Deutschen Fleischer-Verband (DFV) in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bauernverband, welche gemeinsam bereits im März 2016 einen Antrag diesbezüglich bei der Deutschen Lebensmittelbuchkommission gestellt haben. Ihnen ging es dabei aber vorwiegend um die Wurst. Wort wörtlich.

Vor allem der DFV setz sich vehement dafür ein, dass Begriffe wie Schnitzel, Bratwurst, Steak und Co. ausschliesslich dem tierischen Original vorbehalten bleiben.

 

Namen wie „vegane Currywurst“ oder „Tofu-Schnitzel“ seien irreführend und somit eine Täuschung der Konsumenten.

 

Ganz dieser Meinung ist auch Christian Schmidt.

Der deutsche Bundesernährungsminister und zugleich ebenfalls Chef der deutschen Lebensmittelbuchkommission, ist selbst überzeugter Karnivore und scheint bereit dazu zu sein, für Wiener Schnitzel in den Kampf zu ziehen.

Jawohl.

 

 Hand

 

Ich meine, wer kennts nicht? Da steht man nach Feierabend in der Migros vor den Regalen und greift doch vor lauter Verwirrung tatsächlich zu einer echten, so richtig toten Kuh anstelle des Seitan-Schnitzels.

Überforderung pur sag ich euch!

 

Die Bezeichnung Milch sollte ausschliesslich für die „normale Eutersektretion von Tieren“ verwendet werden, so der EuGH.
Aber weshalb dann nicht gleich:

 

Eutersekretion.

 

Macht sich doch gut auf den Verpackungen, nicht? Und vor allem schafft dies auch Klarheit. Die Konsumenten sollen schliesslich wissen, was sie eigentlich wirklich trinken, wenn auf der Tüte „Milch“ steht.

Genauso bei Würsten:

Fleisch, sprich totes Tier, gepresst in Därme oder Mägen.

 

Und am besten klebt man noch auf jedes Wienerli ein Bild von der Kuh oder des Schweinchens, das dafür sein Leben geben musste.

 

„Für diese Wurst wurde Elsa die Kuh geschlachtet. R.I.P. Elsa.“

 

 

Elsa

 

Na dann, En Guetä!

 

So betrachtet, ist dieser absurde Namens-Kampf im Grunde sogar eine Chance.

Schliesslich ist Sojamilch ja keine Eutersektretion. Und das ist auch gut so.

Vielleicht sollte die Vegane Bewegung diese Gelegenheit ergreifen und sich ein für alle Mal von tierischen Produkten abgrenzen, oder viel eher; abheben.

 

Denn nein, die pflanzliche Ernährungsweise soll keine billige Kopie darstellen, das kann nicht das Ziel sein. Was der Veganismus ist, ist ein Upgrade.

Eine Erweiterung der Ernährung um eine ethische sowie eine ökologische Dimension.

Tofu, Seitan und Co. verdienen Bezeichnungen, welche ihrem Wert gerecht werden. Welche jene Innovation und Weiterentwicklung unserer Gesellschaft repräsentieren.

 

Weshalb also sich einem primitiven Machtkampf und dabei gleichzeitig einem mickrigen Dasein als Nachahmung hingeben?

 

Die vegane Bewegung ist mehr als bloss Essen, als blosse Bedürfnisbefriedigung, mehr als gewohnheitsbasierter und sozialisierter Genuss, zu was sich der Konsum tierischer Lebensmittel etabliert hat.

Die vegane Bewegung steht für Fortschritt.

Sie steht für einen bewussteren Umgang mit Ressourcen, dafür Verantwortung zu übernehmen. Für Werte und Rechte, für Reflektion, eine Zeitgemässe Lebensweise und für den Blick nach vorne.

All dies, ohne dafür weder an Genuss noch Qualität einzubüssen.

Im Gegenteil: Durch den Veganismus gewinnt man, und vor allem unser Planet, weitaus mehr, als dass man daran anscheinend verliert.

Das zeichnet ihn aus, das wiederspiegelt seinen Sinn.

 

Deshalb nichts wie her mit neuen Namen!

 

Denn es ist Zeit, das Kapitel der ewigen Alternativen langsam aber sicher hinter sich zu lassen und einen nächsten Schritt zu wagen, eine eigene Identität zu erschaffen.

Vegan ist das heute von morgen.

 

Vegan ist Zukunft.

Und so soll es sich auch anhören.

 

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Eva's Apples bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge müssen nicht zwingend die Sichtweise von Eva's Apples widerspiegeln.

Dieser Blog-Gastbeitrag wurde von Livia Huber verfasst. Livia ist passionierte Triathletin und studiert Soziologie und Politologie. livia.huber|at|windowslive.com

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